Natur

Installation in der Kunsthalle Faust, Hannover 2001
Text dazu von Michael Stoeber:

Die Künstlerin konfrontiert uns mit einer Absperrung, wie wir sie -was ihre Form angeht -von Baustellen her kennen.
Indes, gesichert wird hier das bloße Nichts. Die alte rhetorische Figur der Inversion kommt in der Denzler-Arbeit zu neuen Ehren. Nicht der Inhalt ist wichtig, sondern die Verpackung. Die Absperrung selbst ist das künstlerische Thema. Aufschluß darüber erteilen die auf die Gerüste aufkaschierten Fototapeten. Ihre Motive halten in so manch' muffiger Stube die Sehnsucht ihrer Bewohner wach nach der sogenannten "freien" Natur.
Mit Naturmotiven ummantelt ist auch das Fernrohr, dessen Linse sich auf das einge- sperrte Areal richtet.
In dem Maße, wie die technische Zivilisation, in der wir leben, genuine Naturerlebnisse, nach denen wir uns sehnen, immer stärker verunmöglicht, treten Surrogate und Kompensationen an die Stelle der wahren Empfindung. Und haben wir schon einmal die Möglichkeit, Natur zu erfahren, ist nicht nur sie domestiziert, sondern wir selbst treten ihr als von der Zivilisation Domestizierte entgegen. Wenn wir auf die Natur blicken, sehen wir sie nicht, wie sie ist, sondern, wie wir sie uns wünschen. Die abgeleiteten und abgelebten Bilder in unserem Kopf führen uns bei unserem Blick, der der Natur so äußerlich ist, wie die Fototapete an Denzlers Fernrohr klebt. Unsere entfremdete Beziehung zur Natur findet in der Installation der Künstlerin ihre Fortsetzung in der Feuerstelle aus gelben Plastikrohren. Sie wird entflammt durch rotes Licht, das aus der Laserkanone kommt. Und wenn wir uns gemütlich lagern wollen, dann finden wir kein Bett aus Heu, sondern aus geschreddertem Papier.
Der Papierhaufen ist nicht weniger Makulatur als unsere Vorstellungen von der Natur.

Keineswegs Makulatur dagegen sind die Collagen von Barbara Denzier, auch wenn sie ebenfalls aus Papier sind, ausgeschnittenem, eingeklebtem, bemaltem und mit computergenerierten Formen versehenem Papier. Sie setzen gegen jedes Stereotyp eine höchst singuläre, ästhetisch organisierte Gegenwelt.